Institutsportrait

Das Institut

Bereits seit Anfang der fünfziger Jahre, als der Begriff „Umweltschutz" noch nicht verbreitet war, beschäftigte sich das Institut mit den Problemkreisen Wassergüte, Wasserversorgung, Abwasser und Abfall. Das Universitätsinstitut ist heute eine interdisziplinäre Einrichtung, in welcher Bauingenieure, Unweltschutztechniker, Biologen, Chemiker, Lebensmittelchemiker, Verfahrenstechniker, Geologen und Geographen tätig sind.

Die Hauptaufgabe des Instituts sind Forschung und Lehre sowie die Unterstützung von Behörden des Bundes und der Länder, von Gemeinden und Industrie bei der Lösung praktischer Probleme. Diese kann beispielsweise durch Außenuntersuchungen an bestehenden Anlagen oder Versuchsanlagen, oder durch Erhebung der Grunddaten zur Konzeption und Planung von Anlagen erbracht werden.

Das Institut wird vom Vorstand geleitet, dem alle Professoren angehören. Es gliedert sich in drei Lehrstühle, die untergliedert sind in zwei Abteilungen und sieben Arbeitsbereiche sowie das Lehr- und Forschungsklärwerk Büsnau (LFKW).

Mit insgesamt 150 Mitarbeitern ist es eines der größten Institute seiner Art in Europa.



Lehre, Fortbildung und Veröffentlichungen

In der Lehre, die von den am Institut tätigen Professoren, Lehrbeauftragten und wissenschaftlichen Mitarbeitern durchgeführt wird, werden derzeit Studierende der folgenden Studienrichtungen unterrichtet und betreut:

im Studiengang Bauingenieurwesen sowohl im Grundfachstudium mit dem Fach Siedlungswasserbau als auch in den drei Vertiefungsfächern Wassergütewirtschaft und Wasserversorgungstechnik, Abwassertechnik sowie Abfalltechnik;

im Studiengang Umweltschutztechnik sowohl im Grundfachstudium in den Fächern Umwelt-Chemie I und Umwelt-Biologie I, Wasserwirtschaft I und Siedlungswasserbau/Entsorgungstechnik I als auch in den Vertiefungsfächern Umwelt-Chemie II, Umwelt-Biologie II, Umwelt-Messwesen II, Wasserversorgung und Wassergütewirtschaft, Abwasserreinigung, Industrielle Wassertechnologie, Abfallwirtschaft/Abfalltechnik sowie Luftreinhaltung/Abgasreinigung.

in den englischsprachigen Master-Studiengängen "WAREM", "WASTE" und "Infrastructure Planning".

Darüber hinaus werden Lehrveranstaltungen für Verfahrenstechniker, Biologen, Chemiker und Biotechnologen angeboten. Am Institut werden seit 1957 regelmäßig siedlungswasserwirtschaftliche, abfalltechnische und wasserchemische Kolloquien abgehalten; neben weiteren Seminaren finden in Zusammenhang mit der Abwassertechnischen Vereinigung ATV Schulungen von Klärwerkspersonal und Kanalfacharbeitern statt.

Ein Teil der Forschungsarbeiten (insbesondere die Dissertationen) sowie alle Vorträge der Fortbildungsveranstaltungen am Institut werden in den beiden Schriftenreihen

  • Stuttgarter Berichte zur Siedlungswasserwirtschaft
  • Stuttgarter Berichte zur Abfallwirtschaft

veröffentlicht.



Arbeitsschwerpunkte

Wassergütewirtschaft:

Untersuchung anthropogener Einflüsse auf die subterrestrischen Lebensgemeinschaften und deren Beeinflussung; Untersuchung des Gewässergütezustandes; fischtoxikologische Untersuchungen an anthropogen gestörten Gewässern; Ökosystemforschung in Fließgewässern und Grundwässern; Bewirtschaftung von Regenwasser.

Wasserversorgung:

Physikalische Wasserbehandlung; Untersuchungen zur subterrestrischen Wasseraufbereitung; unterirdische Enteisenung, Entmanganung, Entarsenierung, Denitrifikation; Verhindern der Verkeimung bei Filtern und Ionenaustauschern; biologische Elimination von Nitrat sowie Mineralöl- und Chlorkohlenwasserstoffen; Vermeidung von Pflanzenschutz- und behandlungsmitteleinträgen; Grundwassersanierung; Untersuchung der Auswirkung von Wassersparmaßnahmen und Maßnahmen zur Regenwassernutzung.

Abwasser:

Untersuchungen zur Behandlung und Ableitung von Niederschlagswasser, Konzepte zur Siedlungsentwässerung; Weiterentwicklung von Verfahren zur Nitrifikation, Denitrifikation, biologischen und chemischen Phosphatelimination sowie zur anaeroben Industrieabwasserreinigung; Bewirtschaftung von Kanalnetzen und Kläranlagen mittels Mess-, Steuer- und Regeltechnik; Minimierung zu entsorgender Schlämme; Untersuchungen und Verfahrensentwicklung für die Wasserver- und Entsorgung von Industriebetrieben, Recycling von gereinigtem Abwasser, Nährstoffrückgewinnung, Entfernung schwer abbaubarer Stoffe; Weiterentwicklung der Membrantechnologie bei industriellen und kommunalen Anlagen; Begutachtung von Planungen und Verfahrenstechniken; neutrale Leistungsbewertung von Anlagen bzw. einzelnen Prozessstufen, u.a. Messungen der O2-Zufuhr.

Abfall:

Konzepte der Entsorgung von Hausmüll und Industrieabfällen (Abfallvermeidung, getrennte Sammlung und stoffliche Verwertung, Kompostierung und Vergärung, Thermische Verfahren wie Verbrennung und Pyrolyse, Sonderabfallbeseitigung, geordnete Deponie); Sanierung von Altlasten; Behandlung von Deponiesickerwässern und gasförmigen Emissionen; Erarbeitung von Abfallwirtschaftskonzepten für Industrie und Kommunen, integrierte Systeme der Abfallbeseitigung für Touristikzentren und Entwicklungsländer.

Luft:

Entwicklung von Verfahren der biologischen Abluftreinigung (Biofilter, Biowäscher, Tricklingfilter, Membranreaktoren); Entwicklung von Mess- und Probenahmetechniken zur Luftanalytik (Olfaktometrie und chemische Spurenanalytik); Erfassung und Identifizierung von Mikroorganismen in Raum- und Abluft; Mikrobiologie und Biochemie degradativer und biotransformatorischer Prozesse.

Analytik und Testmethoden:

Am Institut werden u.a. folgende Mess- und Kontrollmethoden entwickelt und apparativ umgesetzt bzw. werden bei Untersuchungen eingesetzt:

Chemische Sauerstoffbedarfsbestimmung CSB, Sapromat als Methode der Bestimmung des biochemischen Sauerstoffbedarfs BSB; Denimat als Methode zur Bestimmung des biochemischen Nitratbedarfs; Methanomat zur Untersuchung des anaeroben Abbaus; Bestimmung von an Aktivkohle adsorbierbaren organischen Halogen-(AOX) und Schwefelverbindungen (AOS); Kohlenstoffbestimmungen TC, TOC; Stickstoffbestimmungen TNb, Norg; Toximeter als Atmungsmessgerät zum frühzeitigen Erkennen von Vergiftungen in Belebungsanlagen; Gaschromatographie (ggf. mit Atomemissionsdetektion GC-AED); Hochleistungsflüssigkeitschromatographie HPCL; Ionenchromatographie; Massenspektrometrie MS; Kopplungsverfahren: GC-MS, HPCL-MS und CE-MS; Tandem-Massenspektrometrie; ICP-OES; Atomabsorption AAS; Fourier-Transform-Infrarotspektrometrie FT-IR; Extraktion und Chromatographie mit überkritischen Flüssigkeiten ASE und SFC: Immunologische und biochemische Assays (ELISA); Kapillarelectrophorese CE; Elektrochromatographie; Fischtests: Giftwirkung von Abwässern auf Fische; Testsysteme zur Untersuchung des Abbauverhaltens von Kunststoffen und Bipolymeren; Ringversuche zur analytischen Qualitätssicherung (AQS), Betreuung und Kontrolle staatlicher und freier chemischer Laboratorien in Baden-Württemberg.



Einrichtungen des Instituts

Dem Institut stehen umfangreiche Laboratorien zur biologisch-chemisch-physikalischen Untersuchung von Wasser, Abwasser, Abfall und Luft sowie alle notwendigen Einrichtungen für die Untersuchung von Wasserwerken und Kläranlagen beliebiger Größe, von Industrieabwasserbehandlungsanlagen, von Mülldeponien, für Untersuchungen des Gewässergütezustandes, von Fischen innerhalb und außerhalb der Gewässer zur Verfügung; für Versuche im halbtechnischen und technischen Maßstab sind Versuchshallen (500 m² + 160 m² + 150 m²) sowie das Lehr- und Forschungsklärwerk vorhanden, das auch für betriebliche Untersuchungen wie für Lehr- und Demonstrationszwecke Verwendung finden kann.



Postanschrift

Institut für Siedlungswasserbau,
Wassergüte- und Abfallwirtschaft
Bandtäle 2
70569 Stuttgart

Tel.: ++49 (0)711/685-63711
Fax: ++49 (0)711/685-63729